Gestern hatte ich meine flugmedizinische Erstuntersuchung beim Aeromedical Center in Stuttgart. Eins vorweg: Ich hab das Medical bestanden und bin damit für den gewerblichen Flugverkehr tauglich
Los gings um 09.00 Uhr vor der Pforte Ost am Flughafen, nachdem ich zwei Stunden lang mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.
Da an der Pforte eine Sicherheitskontrolle ist, musste ich warten bis ich von einer Mitarbeiterin abgeholt wurde, was nach etwa 15-20 Minuten der Fall war.
Das AMC befindet sich übrigens im gleichen Gebäude, wo auch die Briefingräume der Crews von Air Berlin und Condor untergebracht sind 
Jedenfalls durfte ich nach der Anmeldung erstmal in ein Formular meine persönlichen Daten, sowie Größe und Gewicht eintragen. Danach ging es zur Urinprobe und nochmal für zehn Minuten ins Wartezimmer, bevor ich zu der etwa 2-stündigen Untersuchung abgeholt wurde.
Es ging recht entspannt los – wobei entspannt wohl eher auf die Stimmung während der Untersuchung als auf mein Befinden gepasst hat 
Zuerst wurden mein Blutdruck und Puls gemessen, von denen noch ein paar Zähler abgezogen wurden, da die Leute dort auch wissen, dass der Patient mehr oder weniger aufgeregt ist. Zum Glück, mein Puls war nämlich abartig hoch 
Danach wurden noch Lungenfunktionstest und Audiometrie, also ein Hörtest, gemacht, bei dem man über Kopfhörer verschiedene Pfeiftöne zu hören bekommt und einen Knopf drücken muss, sobald man den Ton hört. Anschließend ging es zum Ruhe-EKG; von den Saugnäpfen hab ich noch heute Abdrücke
Es ging dann weiter mit verdammt vielen Seh- und Augentests: An erster Stelle stand der Ishihara-Test, bei dem gecheckt wird, ob man an einer Farbsehschwäche leidet. Wie auch immer, bei mir ist das nicht der Fall, da ich alle Tafeln ohne Fehler erkannt habe. Danach durfte ich einen Sehtest machen, ähnlich dem, den man für den Führerschein braucht. Also Kreise und deren Öffnungen erkennen und angeben, wo sich die Öffnungen befinden. Das Ganze hat sich in mehrere Durchgänge gegliedert, einmal ohne Sehhilfe auf jeweils einem Auge, dann mit beiden und zum Schluss nochmal das Ganze mit Sehhilfe. Dann wurde noch das 3D-Sehen getestet. Dafür bekommt man eine 3D-Brille und darf dann aus verschiedenen Bildern dasjenige heraussuchen, welches durch die 3D-Brille optisch hervorgehoben wird.
Es ging weiter mit diversen Tests, deren Bedeutung ich selber nicht weiß 
Auf jeden Fall wurden noch meine Hornhaut und Netzhaut untersucht, meine Dioptrienzahl anhand eines weiteren Gerätes exakt festgestellt und mein Augeninnendruck überprüft.
Zum Schluss gab es noch einen Test zur Überprüfung des Gesichtsfeldes. Hierbei wird man vor einen Halbkreis gesetzt, in dessen Mitte vier rote Punkte eingeblendet werden und die man während des Tests stets beobachten muss. Während des Tests leuchten dann außerhalb dieser roten Punkte für kurze Zeit andere helle Punkte auf, die man erkennen muss. Es wird also, grob gesagt, geprüft, inwieweit man Objekte außerhalb des fokussierten Blickbereiches erkennen kann. Das Ganze macht man dann auch einzeln für jedes Auge und dauert insgesamt etwa 8 Minuten – sehr ätzend
Ich war nun etwa seit 7 Stunden auf den Beinen und hatte seither auch nichts mehr gegessen, der Hunger hatte sich also schon lang zu Wort gemeldet. Aber natürlich musste jetzt noch Blut abgenommen werden – sogar zwei Mal, ich weiß allerdings nicht warum. Na ja, wie gesagt, war mein Magen leer, also ist es nicht verwunderlich, dass ich nach dem zweiten Stich erstmal auf die Liege verfrachtet werden musste, bevor ich vom Stuhl kippe 
Nachdem ich dann wieder Farbe im Gesicht hatte, durfte ich nochmal für eine lange Wartezeit ins Wartezimmer gehen. Nach etwa zwei Stunden – die Laborergebnisse haben auf sich warten lassen – durfte ich dann noch zur Abschlussuntersuchung zum Herrn Doktor gehen, wo ich erstmal über meine Krankengeschichte, Allergien und Alkoholkonsum befragt wurde bevor Lunge und Herz abgehört, Reflexe getestet und mein Innenohr begutachtet wurden. Zum Schluss kam ich mir dann noch vor, wie bei der MPU. Ich sollte mit geschlossenen Augen geradeaus durch den Raum laufen, auf der Stelle treten, auf einem Bein stehen und zum Schluss mit dem Zeigefinger in einem großen Bogen meine Nasenspitze berühren – natürlich auch alles mit geschlossenen Augen. Aber eine Gleichgewichtsstörung wurde zum Glück nicht festgestellt.
So weit, so gut. Bedenken gegen meine medizinische Tauglichkeit gab es keine, ich hab also anschließend noch mein Tauglichkeitszeugnis erhalten.
Hour Building